Tagesordnungspunkt: Digitalisierung – Berlinfahrt des Jugendparlaments Wennigsen


Nachdem insbesondere die technische Ausstattung der Sophie-Scholl-Gesamtschule in jüngster Vergangenheit vom Jugendparlament Wennigsen thematisiert wurde, begaben sich die jungen Politiker am 15.07.2015 auf eine Fahrt in die Bundeshauptstadt Berlin, in deren Mittelpunkt sich die primäre Fragestellung befand: Inwiefern lässt sich die Digitalisierung, auch mit den bereits verfügbaren Mitteln, adäquat vor Ort umsetzen? Um einer Antwort möglichst nahe zu kommen, waren auf dieser Basis Treffen mit Vertretern von Wikimedia, dem deutschen Städte- und Gemeindebund, Google Deutschland sowie Microsoft vorgesehen. Begleitet wurden die Parlamentarier dabei von Bürgermeister und Fahrtinitiator Christoph Meineke, Verwaltungsmitglied Christian Mainka, Jugendpfleger Christoph Knoke sowie der Pattenser Bürgermeisterin Ramona Schumann, welche in Zukunft ebenfalls ein Jugendparlament aufbauen möchte.

Wikipedia – eine seriöse Quelle?

Nach nahezu planmäßig erfolgter Fahrt in die Hauptstadt stand für die Jungpolitiker der erste Termin bei Wikimedia Deutschland, dem Betreiber der Online-Enzyklopädie Wikipedia, auf dem Programm. Im Fokus stand hier die Diskussion der Frage, ob Wikipedia als Quelle für den schulischen Gebrauch geeignet sei, da de facto jeder beliebige Internetnutzer einen entsprechenden Artikel verfassen könne. Seitens einer erheblichen Anzahl von Lehrkräften würden aus diesem Grund Vorurteile entstehen, da man sich der korrekten Wiedergabe von Fakten in der freien Enzyklopädie nicht sicher sein könne. Die Vertreter von Wikimedia entkräfteten diese Behauptung im Gegenzug allerdings: Zwar könne bei Wikipedia jeder über einen Internetanschluss verfügende Mensch mitwirken, allerdings würden die verschriftlichten Beiträge schnellstmöglich überprüft, sodass falsche Informationen binnen weniger Minuten entfernt werden könnten. Weiterhin seien auch in der Online-Enzyklopädie Fußnoten gesetzt, wodurch sich die originale Quelle problemlos finden ließe.

Weiterhin tauschte man sich über die momentan auch auf europäischer Ebene diskutierte Panoramafreiheit aus: Ein Beschluss des EU-Parlaments könne demnach die Veröffentlichung von Bildern, auf denen urheberrechtlich geschützte Bauwerke wie der Pariser Eiffelturm erkennbar sind, verbieten.

Digitale Medien sind kein Ersatz für Tafel, Schwamm und Kreide

Anschließend gastierten für die Parlamentarier bei Vertretern des deutschen Städte- und Gemeindebundes, wobei hier die Frage nach dem adäquaten Einsatz digitaler Medien im Mittelpunkt der Diskussion stand: So sei der Gebrauch technischen Geräts, vor allem durch jüngere Schüler, im Jahre 2015 allgegenwärtig. Da sie selbst, gerade in ihren ersten Schuljahren, jedoch mehr mit „Tafel, Schwamm und Kreide“, denn mit Computer, Tablet und Smartphone aufgewachsen seien, verständigten sich die Jungpolitiker darauf, dass konventionelle Methoden im Lernalltag keineswegs überholt seien. Auch wenn die Medialisierung unaufhaltsam fortschreite, so solle technisches Gerät im Schulalltag vielmehr unterstützend, nicht aber ersetzend gebraucht werden. Mit der Nutzung des Internets erhöhe sich zwar die Diversität des Lehrmaterials erheblich, aber auch das Gefahrenpotenzial. Demnach sei zusätzlich ein erhöhtes Maß an Aufklärung vonnöten, um gerade jüngeren Schülern den bestmöglichen Umgang mit diesem doch recht neuen Medium zu ermöglichen.

Eine weitere Diskussion kam zu dem Thema auf, welche Vor- und Nachteile das Aufwachsen in der Stadt, welche das Aufwachsen auf dem Land mit sich bringen könnte.

Medien bereits in der Grundschule?

Den Vorschlägen der Vertreter Google Deutschlands, welche forderten, technisches Gerät bereits ab der Grundschule gezielt einzusetzen, brachte das Jugendparlament allerdings gewisse Kritik entgegen: Zwar wüssten heutzutage zwar vereinzelt Kindergartenkinder, wie sie sich Folgen ihrer Lieblingsfernsehsendungen im Internet ansehen könnten, doch in der Grundschule sollte das Hauptaugenmerk vielmehr darauf liegen, den jüngsten Schülern das Schreiben und Rechnen per Hand beizubringen. Von einer Nutzung technischen Geräts sei per se nicht abzuraten, allerdings dürfe die Festplatte eines Laptops das Gehirn als Speicherplatz für Gelerntes nicht ablösen.

Weiteren Vorschlägen Googles zum schulischen Gebrauch digitaler Medien konnte das Jugendparlament zwar zustimmen, allerdings entstanden an gewissen Punkten Fragen bezüglich der zukunftsnahen Umsetzbarkeit. Zwar bestünde die Möglichkeit, dass sich Lehrkräfte aufgrund des verstärkten Medieneinsatzes auf diesem Gebiet fortbilden und die Schüler an ihrem Wissen teilhaben lassen, allerdings sei die allumfassende Ausstattung aller Schulen beziehungsweise Schüler mit modernstem technischen Gerät finanziell sehr schwer, eher aber nicht umsetzbar.

Die Zukunft der Technologie – aber wie?

Den für die Mitglieder des Jugendparlaments letzte Programmpunkt ihrer Berlinfahrt stellte ein Besuch beim Technologie-Riesen Microsoft dar, wobei der Fokus in diesem Fall auf der Zukunft der Technologie lag. In einem futuristisch gestalteten Video erfuhren die Parlamentarier vor allem, welche technischen Neuerungen sie nicht in ferner Zukunft, sondern bereits in den kommenden Jahren erwarten könnten, wie beispielsweise ein bewegliches Display für Smartphones.

Weiterhin bestand die Möglichkeit, das sogenannte „Schlaumäuse-Programm“ zu hinterfragen, welches Microsoft kostenlos für Kindergärten anbietet: Auf spielerische Art und Weise lernen die Kinder hier auch am heimischen Computer, diesen sowie dessen Funktionen grundlegend kennen.

Nach einem anstrengenden, aber interessanten und weiterhin informationsreichen Tag waren die Jugendparlamentarier dennoch froh, kurz vor Mitternacht vollzählig wieder im heimischen Wennigsen angekommen zu sein. Die Nachbesprechung der Fahrt sowie die Reflexion der besprochenen und diskutierten Themen findet in der kommenden Sitzung nach den Sommerferien am 03.09.2015 um 19:00 Uhr im Jugendhaus statt.

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